Die Zeit nach der Gründung bis zum II. Weltkrieg
Nachdem nun im August 1884 die Gründung erfolgte und die „Statuten“ (Satzung) am 7. März
1885 genehmigt waren, wurden in der ersten Sitzung am 19. März 1885 folgende Herren zum 1. Vorstand gewählt. Dies war Herr Louis MOSER als Kommandanten, der schon die gleiche Funktion in der Pflichtfeuerwehr hatte, Herr Wilhelm GIERSBACH als sein Stellvertreter, Herr Nathan REIFENBERG als Adjutanten und Schriftführer, sowie dem Herrn Heinrich HAUCH als Kassen- und Materialverwalter. Der Vorsitzende nahm nach seiner Wahl sofort die Einteilungen der Spritzen-, Steiger-, Demolierungs-und Rettungsmannschaften vor, wie er es auch zuvor bei der Pflichtfeuerwehr tat. Durch den Feuerlöschinspektor Philipp Ludwig Mayer aus Rödelheim, wurde dann am 25. Oktober 1885 die Freiwillige Feuerwehr Weilburg einer „Besichtigung“ unterzogen und sie erhielt seine vollste Anerkennung. Im gleichen Jahr verstarb Bürgermeister Weychhardt und der nun gewählte Kaufmann Wilhelm FARR, auch ein Förderer der Feuerwehr, wurde „kommissarischer“ (neuer) Bürgermeister von Weilburg. Nun zeigte auch die Bürgerschaft von Weilburg für diese Gründung ein reges Interesse, denn der Männergesangverein „Liederkranz“ und auch die „Bürgergardekapelle“ veranstalteten für die Feuerwehr ein Konzert, dessen Erlös für weitere Anschaffungen war. Im Jahr 1887 wurden die Statuten (Satzung) erneuert und die Anforderungen, die damit an das neu organisierte Korps gestellt wurden, waren erheblich. Zwar waren außer der bereits erwähnten Saug- und Druckspritze alle übrigen Geräte noch „Überbleibsel“ einer vergangenen Zeit, aber die Taktik des Einsatzes hatte sich grundlegend verändert. Nun war nicht mehr einreißen und zerstören die Parole, sondern die weitgehende Erhaltung eines Hauses oder der Sachen, auch wenn weiterhin eine „Demolierungsmannschaft“ bestand. Schon im Jahr 1886 wurde ein neuer Schlauchwagen angeschafft und 1888 eine von dem Weilburger Unternehmer Carl Göhring angefertigte Spritze. Denen folgte noch ein Hydrantenwagen und von dem Weilburger Bürger und Architekten Ernst Thempel wurde ein neues Gerätehaus entworfen. Die Planungsunterlagen dazu wurden am 20. Februar 1887 genehmigt und schon am 29. Oktober 1888 konnte es eingeweiht werden. Am 20. November 1888 wurde es dann von den Brandsachverständigten überprüft und diese vermerkten im Brandkataster Nr. 232 „Utensilienhaus“ für die Freiwillige Feuerwehr Weilburg. Mit Vertrag durch die Stadt Weilburg vom 01. Januar 1898, wurde der „Fuhrunternehmer“ D. Meurer dahingehend verpflichtet, bei einem Brandfall die Löschpumpe und die Gerätschaften der Feuerwehr auf dem schnellsten Weg zur Brandstelle zu transportieren. Dieser Vertrag wurde mit Datum vom 01. Dezember 1905 erneuert und stellt somit ein einzigartiges Dokument da, dass der Transport von Feuerlösch-Hilfsgeräten durch eine „Fremd-Firma“ an den Brandort erfolgen muss. Schon 1901, am 24., 25. und 26. August, fand in Weilburg ein großes Feuerwehrfest statt und damit war die Freiwillige Feuerwehr Weilburg ausersehen, hier das 16. Verbandsfest durchzuführen. Das Jahresende 1904 erbrachte eine grundlegende Erweiterung des Gerätehauses („Utensilienhaus“) auf dem Marktplatz und die Überprüfung dazu erfolgte am 22. November 1904. Im Jahr 1906 wurde für die Freiwillige Feuerwehr Weilburg eine neue, modernere Leiter (siehe Umschlagbild) angeschafft. Das 25jährige Jubiläum der Wehr wurde dann am 18. Oktober 1909 gefeiert und mit Datum vom 02. November 1909, wurde dem Mitglied Hugo ZIPPER ein Ehrenabzeichen vom Kaiser für Verdienste für die Freiwillige Feuerwehr verliehen. Am 25. April 1910 wurde die Wehr um 13.30 dahingehend alarmiert, um fast 6 Stunden Bergungsarbeiten durchzuführen, als der Zeppelin Z II am „Webersbergfelsen“ verunglückte. Der vorhandene „Gerätepark“ der Feuerwehr überdauerte nun die Ereignisse des I. Weltkrieges und erst danach wurde großzügig erweitert. Ein wesentlicher Fortschritt im Jahr 1927 bedeutete die Anschaffung einer Mayer-Hagen-Motorspritze, die eine Förderleistung von 800 l/m hatte. 1928 erfolgte die Anschaffung eines weiteren Hydrantenwagens und 1930 wurde die alte mechanische Schiebeleiter, die 1906 schon beschafft wurde, durch eine Modernere ersetzt. Schon im Jahr 1924 konnte durch großzügige Spenden der Bürgerschaft eine für die Alarmierung der Wehr wichtiges Teil, eine Sirene, angeschafft und auf dem Kirchturm platziert werden. Leider war nun die Unterkunft im Spritzenhaus auf dem Marktplatz nicht mehr ausreichend und so wurde dieses nur noch als Gerätehaus verwendet. Eine neue „Bleibe“ musste gesucht werden und es ergab sich, dass die „Heuscheuer“ der Schlossanlage für Zwecke der Feuerwehr eine Verwendung finden konnte. Dies war nur nach Überprüfung durch die „Fachleute“ erkennbar. Nach längeren Verhandlungen wurde dann durch die Stadt ein Vertrag abgeschlossen, der dann eine Laufzeit von 99 Jahren hatte. Als jedoch im Jahr 1938 das umgebaute große Gebäude in Benutzung genommen werden sollte, wurde es in einem „Handstreich“ von der deutschen Wehrmacht in „Beschlag“ genommen und als Pferdestall eingerichtet. Als dem damaligen Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Weilburg bekannt wurde, dass das Gebäude für kurze Zeit nicht belegt war, wurde es, unter schneller Mithilfe einiger Kameraden die vorhandenen Geräte einfuhren, der Freiwilligen Feuerwehr Weilburg zur Benutzung wieder zugeführt. Im Mai 1939 erfolgte noch eine neue „Ausbildungsvorschrift“ für alle Feuerwehren, die vom damaligen Oberkommando für die Feuerwehren herausgegeben wurde. Sie galt bis zum Ende des II. Weltkrieges 1945. Aus dem Protokollbuch der Wehr, welches sich im Historischen Archiv befindet, könnten noch viel mehr Ereignisse aufgeführt werden, aber diese sollten nicht zum Gegenstand dieses Jubiläums gemacht werden.
(Friedrich F. Kahle, Carl Wehrum +)
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